Die Geschichte  von Lut

Sodom war wirklich eine entsetzliche Stadt. Dort herrschte völlige Gesetzlosigkeit, und jeder tat, was ihm gerade einfiel. Und den Leuten von Sodom fielen nicht etwa schöne und gute Dinge ein, sondern es machte ihnen anscheinend großen Spaß, sich gegenseitig zu
beleidigen und zu verachten. Ständig waren sie betrunken und taten alle Dinge, deren sich ein normaler Mensch schämen würde. Sie kümmerten sich überhaupt nicht um ihre Familien, sondern die Männer trieben sich mit Männern herum und trieben ihren Mutwillen miteinander, und die Frauen verließen ihre Kinder, um sich zu amüsieren und die Zeit totzuschlagen. Niemand war vor dem anderen sicher, und alles, was unsittlich war, gefiel ihnen.
Außerdem kannten sie keine Gastfreundschaft.

Immer wenn ein Fremder in die Stadt kam, hießen sie ihn nicht etwa willkommen und halfen ihm nicht, sich zurechtzufinden. Im Gegenteil, sie hielten ihn zum Narren und lachten über seine Hilflosigkeit.
Inmitten dieser Stadt wohnte Lut mit seiner Frau und seinen Töchtern. Beständig sprach Lut als Gesandter Allahs zu diesem Volk. „Wollt ihr denn nicht Allah fürchten und Seinen Gesetzen gehorchen? Er hat
mich zu euch gesandt, und mein Lohn dafür kommt nur von Ihm, dem
Herrn der Welten. Außer bei Ihm gibt es keine wirkliche Macht." Er ermahnte sie, einander zu achten und keine Schändlichkeiten zu begehen, und erinnerte sie daran, dass Allah die Menschen als Männer und Frauen erschaffen und ihnen eine besondere Würde gegeben hatte, damit sie einander lieben und Frieden und Geborgenheit beieinander finden. Die Menschen sollen einander helfen und sich nicht gegenseitig ausnutzen, verachten und betrügen.
Anfangs lachten die Leute von Sodom Lut aus, aber als er immer noch unbeirrt weitersprach, wurden sie wütend und riefen: ..Wenn du nicht den Mund halst, werfen wir dich hinaus!" Und sie hörten einfach nicht mehr auf ihn.
Lut sprach: „Es ist abscheulich, was ihr tut/' und er betete zu
Allah um Hilfe und Schutz.
Endlich erschienen die beiden Boten Allahs, die zuvor Ibrahims Gäste gewesen waren. Sie gingen geradewegs zu Luts Haus. „Friede sei mit dir!" sprachen Sie. „Und mit euch sei Friede!" erwiderte
Lut. Er ließ sie eintreten und verriegelte sofort von innen die Tür.
„Ihr scheint ungewöhnliche Leute zu sein", begann er dann das Gespräch.
Indessen hatte sich aber auch schon in der Stadt herumgesprochen, dass Lut Gäste bekommen hatte. Betrunkene Männer kamen vor Luts Haus zusammengelaufen. Sie schlugen gegen die verriegelte Tür und schrien und verlangten von Lut, ihnen sofort die beiden Fremden auszuliefern, damit sie ihren Mutwillen mit ihnen trei- ben konnten. Er wußte, dass er gegen den Pöbel nicht viel aus- richten konnte. Wie sollte er seine Gäste vor der tobenden Masse
beschützen, wie es die Pflicht eines gottesfürchtigen Menschen ist?
,,Was für ein schrecklicher Tag!" rief er aus.
Schon wollte die Menge mit Gewalt in sein Haus eindringen. Ver- zweifelt sprach er zu ihnen: „O mein Volk, hier sind meine Töch- ter, es ist besser für euch, wenn ihr sie heiratet und mit dem, was Allah euch zugeteilt hat, zufrieden seid. Fürchtet doch Allah und bringt mich nicht in Schande mit meinen Gästen. 0 weh, gibt es denn keinen einzigen anständigen Menschen unter euch?"
„Wir brauchen deine Töchter nicht!" schrie der Pöbel. „Du weißt ganz genau, was wir wollen."
Lut sprach: „Hätte ich doch die Macht, euch mit Gewalt an euren Schandtaten zu hindern! Oder hätte ich doch wenigstens einen mächtigen Freund hier, der mir helfen könnte!" Die Lage schien wirklich aussichtslos zu sein.
Da sprachen die beiden Fremden zu Lut: „Wir sind Boten von deinem Herrn. Mach dir deshalb keine Sorgen um uns oder um deine Sicherheit. Sie werden nicht an dich herankommen können. Verlaß noch in dieser Nacht mit deiner Familie diese Stadt, und laß niemanden zurückschauen. Denn wenn einer zurückblickt, so
wird er die Strafe des Volkes teilen. Beeil dich. Am Morgen wird die Strafe eintreffen. Siehe, der Morgen ist schon nah."
Da versammelte Lut seine Familie und führte sie heimlich aus dem Haus und aus der Stadt heraus. Alles ließen sie hinter sich zurück und eilten auf das Gebirge zu, ohne sich umzusehen.
Nur Luts Frau dachte beständig, was sie zurückgelassen hatte. Was
nun, wenn die Strafe gar nicht käme? Dann wäre sie umsonst ohne alles Hab und Gut in die eisige Nacht hinausgeflohen. Sie blieb stehen und schaute sich um.
Inzwischen war der Morgen angebrochen, und mit gewaltigem
Donnerschlag stürzten glühendheiße brennende Steine vom Him- mel auf die Stadt Sodom. Die ganze Stadt ging in Flammen auf und wurde dann von der gewaltigen Steinmasse bedeckt, so dass nichts davon zurückblieb. Das Oberste wurde zuunterst gekehrt. Dieses schreckliche Ereignis muß Luts Frau gesehen haben, denn sie erstarrte vor Schreck und wurde zu einer Salzsteinsäule.
Lut und die anderen aber gelangten an einen sicheren Ort und waren gerettet.
Der Ort, wo einst die Stadt Sodom lag, liegt heute auf dem Grund des Toten Meeres. Der Name kommt daher, dass sein Wasser so salzig ist, dass kein Wesen darin leben kann. Weder Fische noch andere Tiere gibt es dort. Auch in der umliegenden Wüste gibt es nichts als trockenes, lebloses Gestein. Dennoch lassen sich viele Menschen von dieser Geschichte nicht belehren.

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